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Aktuelles Drittmittelprojekt

Reading Global: Constructions of World Literature and Latin America

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Kaum ein Konzept hat in den vergangenen Jahren eine derart hohe Beachtung innerhalb der globalen literatur- und kulturtheoretischen Debatten gefunden wie das der Weltliteratur. Ursprünglich von Johann Wolfgang von Goethe geprägt, hat der Begriff vor dem Hintergrund der gegenwärtigen globalen Verflechtungsprozesse vielfältige Neuperspektivierungen erfahren. An diese schließt auch das Projekt mit dem Titel „Reading Global. Constructions of World Literature and Latin America“ von Prof. Gesine Müller an, wenngleich es in entscheidenden Punkten über bisherige Ansätze hinausgeht:  Im Unterschied zu der Vielzahl an gegenwärtig zirkulierenden theoretischen Arbeiten richtet das Projekt von Prof. Müller erstmals den Fokus auf die Frage, welche konkreten Faktoren und Mechanismen bei der globalen Selektion, Zirkulation und Rezeption von Literatur tatsächlich von Bedeutung sind.

Eine wichtige Grundlage des Projekts bildet daher vor allem die Untersuchung von bisher innerhalb der Weltliteratur-Debatte kaum beachteten Materialien aus Verlags- und Autorenarchiven, die wichtige Auskünfte und Erkenntnisse über die genannten Buchmarktprozesse versprechen. Exemplarisch soll diese Prozesse am Beispiel der weltweiten Verbreitung der lateinamerikanischen Literaturen zwischen 1960 und der Gegenwart untersucht werden, wobei sowohl deren Rezeption innerhalb Europas als auch in China und Indien untersucht werden. Angesichts der in diesem komplexen Projekt zusammentretenden Perspektiven vereint das zukünftige Forschungsteam auf seiner Such nach den Faktoren für den weltweiten Erfolg bestimmter Autoren und Texten neben Spezialisten aus Literatur-und Kulturwissenschaft auch  wirtschafts- und bildwissenschaftliche Expertise.

 

Abgeschlossene Drittmittelprojekte

Global Archives Brasilien


Projekt zwischen dem Deutschen Literaturarchiv Marbach und dem Romanischen Seminar der Universität zu Köln

Das Projekt beschäftigt sich mit deutschsprachigen Archivbeständen in Brasilien, welche bis heute nur unzureichend erforscht sind. Die Materialien, die sich in Museen, Bibliotheken, Archiven und in Privatbesitz befinden, sind von großem kulturhistorischen wie literaturwissenschaftlichem Interesse und verfügen über ein bislang kaum ausgeschöpftes Potential für eine wissenschaftliche Erschließung. Global Archives Brasilien leistet einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung der Germanistik außerhalb der deutschsprachigen Länder dar.


Von besonderer Relevanz sind Nachlässe deutsch-sprachiger Emigranten und Exilanten, die sich in den geisteswissenschaftlichen Diskurs Brasiliens des 20. Jahrhunderts nachhaltig eingebracht haben und damit das für das Projekt grundlegende Konzept eines vernetzten, globalen Denkens bereits praktizierten. Die Erschließung solcher Nachlässe bedeutet auch, dass sich Global Archives Brasilien einem neuen Verständnis des Archivs verpflichtet: dem der globalen Archive.

Durch die Erfassung, Systematisierung und Bereitstellung von bislang weitestgehend unbekannten wie ungenutzten Archivalien möchte Global Archives Brasilien einen Beitrag zur Stärkung geisteswissenschaftlicher Forschung in Brasilien leisten, wobei insbesondere fortgeschrittene Studierende und Wissenschaftler mit germanistischem und komparatistischen Hintergrund angesprochen werden sollen, die sich mit durch Immigration und Exil bedingten (trans)kulturellen Prozessen beschäftigen. In diesem Sinne versteht sich das Projekt auch als Anreiz zur intensiveren Vernetzung der brasilianischen und deutschen Geisteswissenschaften und als Förderstruktur für germanistische Nachwuchsforschung in Brasilien.

Das Projekt Global Archives Brasilien widmet sich der Erforschung, Erschließung und Digitalisierung von mehrsprachigen Beständen mit hohem deutschsprachigem Anteil in brasilianischen Archiven, Bibliotheken, Sammlungen und in Privatbesitz.

 

Koloniale Transferprozesse in der Literatur des 19. Jahrhunderts: Die Karibik im Kontext der kulturellen Strahlungskraft Europas am Beispiel von Frankreich und Spanien (1789-1886)

als DFG-Projekt abgeschlossen: Februar 2016

Anliegen des Projekts ist es, kulturelle Wirkungsweisen verschiedenartiger kolonialer Herrschaftssysteme aufzuzeigen. Dabei geht es um den Vergleich von Transferprozessen auf der Zentrum-Peripherie-Achse, in denen sich beide Seiten in dynamischer Interaktion als Subjekte engagieren. Literarische Repräsentationsformen werden im breiteren Kontext von Kultur- und Wissenszirkulation verortet. Der Vergleich zwischen frankophoner und hispanophoner Karibik zeigt die unterschiedliche Rezeption, Aneignung und Transkulturation mutterländischer Diskurse sowie deren Rückwirkungen auf die Fremdbilder in der Metropole. Zwei Thesen leiten die Untersuchung: 1) Die starke Strahlungs- und Bindungskraft Frankreichs ist auf seine Kapazität zurückzuführen, das koloniale Andere zu integrieren, bzw. sich im Angesicht des Anderen selbst zu transformieren. Symptomatisch dafür ist die Neuordnung des Wissens und ihre Institutionalisierung zu Beginn des 19. Jh. (v.a. mit der Entstehung der Ethnologie als wissenschaftlicher Disziplin). 2) Der Verlust eines kulturell bindenden Zentrums im Falle der spanischen Kolonien wirkt sich insofern produktiv auf die koloniale Literatur aus, als sie die Suche nach neuen Anknüpfungspunkten und Vernetzungen fördert und damit Anlass gibt zu einer (die karibische Literatur in zunehmendem Maße prägenden) Multirelationalität. Das „Zwischen-Welten-Schreiben“ bringt damit literarische Entwürfe hervor, die zwar als foundational fictions (Doris Sommer) treffend beschrieben werden, deren Einordnung in die Kategorie der Nationalliteraturen jedoch problematisch ist.

Projektseite der DFG Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe "Transkoloniale Karibik"

Teilprojekte