zum Inhalt springen

Informationen erfolgen in Kürze

Dr. Sidonia Bauer

Modul: Eigene Stelle

 

          Dr. Sidonia Ria Bauer

          Universität zu Köln      

          Philosophische Fakultät

          Romanisches Seminar

          R.1306, Tel.: 0049/+221/470-6138

          E-Mail: sbauer14(a)uni-koeln.de

         Albertus-Magnus-Platz

          50923 Köln

 

 

Sprechstunde nach Vereinbarung per Email

 

Programm: Sachbeihilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Modul: Eigene Stelle

Projektleiterin: Dr. Sidonia Ria Bauer

Link: https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/455177919

 

Locus cingari: Räume der Roma in der Romania vom 19. Jahrhundert zur Gegenwart (Frankreich und Spanien)

Projektbeschreibung:

Der locus cingari ist in Roman und moderner Lyrik vom 19. Jahrhundert zur Gegenwart omnipräsent als Schauplatz von ‚Zigeuner‘-Zug und ‚Zigeuner‘-Lager, integriert in romantische Naturlandschaften, als Träger ästhetischer Diskurse des Naturalismus, der Avant-Garden und gegenwärtig abstrakter und engagierter Lyrik. Bislang blieb jedoch die Erforschung der Integrationsräume, der Habitate sowie generell der raumliterarischen Gestaltung von loci cingarorum aus. Das beantragte Projekt hat zum Ziel, den locus cingari hinsichtlich seines historischen Wandels, seiner symbolischen Transformationen und seiner sozialen Interaktionen aus Eigen- sowie aus Fremdperspektive zu untersuchen. Ausgehend von der Hypothese, Roma charakterisieren sich wesentlich über ihre Produktion von Raum und konstruieren ihre Identität aus der fruchtbaren Spannung zwischen globaler Deterritorialisierung und regionaler Verankerung, wird ein systematisches Modell für die Beschreibung der Räume von Roma entworfen, das raumtheoretische (Lefebvre, de Certeau) und topologische Ansätze (Lotman) in die Soziopoetik (Montandon) fasst. Dem locus cingari kommt der Rang eines zugleich topischen und real-kulturellen Ortes zu, wodurch er nicht nur zum Träger kultureller Spezifika und Autorpoetiken wird, sondern auch zum Medium epochen- und stilabhängiger Diskurse. Zum einen wird der locus cingari durch topographisch bestimmte Eigenschaften definiert, zum anderen durch seine ökologische Relationalität im Raum konfiguriert. Besondere Aufmerksamkeit verdient das spannungsvolle Zusammenspiel von ‚Außentopologie‘ und ‚Binnentopologie‘, versinnbildlicht durch die Wohnform des oikos, der spezifische Poetologien der Bewegung inklusive singulärer ‚mobiler Mediatope‘ eignen. Die inszenierten Einbettungsräume bilden ein Spektrum von Raumtypen, das von der Naturlandschaft bis hin zu ruralen Kleinstädten reicht. Als Konfiguration landschaftlicher Elemente, Menschen und Maschinen erlebt der locus cingari seine Blütezeit in der französischen Romantik, wobei er sich von einem landschaftlich eingebetteten zu einem in die städtische Peripherie verlagerten Raum temporärer Besiedlung von terrains vagues und der Pariser zone wandelt. Die soziopoetische Analyse stellt indessen nicht nur ‚eingebundene‘ Orte und Räume als für Rom-Völker biopolitisch grundlegend heraus, ‚entbundene‘ Orte kommen desgleichen zur Sprache, zum Beispiel die Extremräume ‚Gefängnis’ der Prisión General de los gitanos (1749) und die ‚Lager’ während des Nationalsozialismus (1935-1945). Jedoch auch stereotype Repräsentationen professioneller Räume wie Jahrmärkte einschließlich ihres typischen Figurenarsenals werden als ausgelagert aus den Raumrepräsentationen der Dominanzgesellschaft analysiert. In ihren Repräsentationsräumen formen die loci cingarorum das Bild einer sich wandelnden, im Verschwinden begriffenen Kultur – trotz ihrer starken, nachhaltigen Relevanz durch sowohl ästhetische als auch ökologische Symbolik.